Leitfaden für Gesundheitsfachberufe
Die Autorin hat sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit zur Diplom-Pflegepädagogin mit der Thematik des Problemorientierten Lernens (POL) auseinandergesetzt und diese in Teil I des Buches veröffentlicht. Erfahrungen bei der Umsetzung lässt sie in Teil II einfließen, Praxisbeispiele gibt es in Teil III.
In Teil I wird nach einer kurzen Einführung der Sinn von POL in der Pflegeausbildung verständlich erläutert. Hinweise auf ständig neue Probleme, gerade im Pflegeberuf, und die damit verbundene Notwendigkeit des lebenslangen Lernens sind nachvollziehbar, und erklären die Forderungen nach einem Wandel der Lehrerrolle hin zum Lernberater. Dieser sollte eher die Entwicklung der Handlungskompetenz fördern, als statisches Wissen vermitteln. Im Folgenden gibt die Autorin einen kurzen, aber guten Überblick über die verschiedenen Arten der Problemlösung, deren Lernziele und Hinweise zur Umsetzung. So wird beim Problem-based-Learning ein Problem vorgestellt, ohne dass Hintergrundwissen bekannt ist. Dadurch kommt es zur Förderung der verschiedensten Kompetenzen. Beim POL nach niederländischem Vorbild steht aber die Gruppenarbeit im Mittelpunkt, während beim Siebensprung eher die schrittweise Annäherung an das Problem die wesentliche Rolle spielt. Organisation der Gruppenarbeit und Möglichkeiten der Aufgabenstellung werden nicht nur verständlich, sondern auch praxisnah beschrieben. Dagegen grenzt die Autorin das Enquiry-based Learning und das Issue-bassed-Learning ab, bei dem die Reflexion des Lernprozesses, bzw. eine Situation im Mittelpunkt steht und die Lehrperson mehr Bedeutung hat. Im Fließtext ist die Abgrenzung für den Leser ohne Vorwissen etwas unscharf, wird aber durch die Zusammenfassung und eine Tabelle wieder deutlicher.
Zur Implementierung beschreibt die Autorin eindrucksvoll die Ergebnisse eines POL-Projektes in einer Schule. Sie verdeutlicht, dass nicht das gesamte Curriculum umgestrickt werden muss, sondern alternativ POL auch als Methode gut eingesetzt werden kann, sofern personelle und institutionelle Vorraussetzungen stimmen. Sehr ausführlich wird auf den lerntheoretischen und didaktischen Begründungsrahmen eingegangen. Konstruktivismus, Konzept der Schlüsselqualifikationen und der handlungsorientierte Unterricht werden äußerst detailliert beschrieben. Auch wenn der Bezug zur eigentlichen Thematik teils etwas fern ist, so wird doch sehr deutlich, dass das POL nahezu alle Möglichkeiten der Förderung beruflicher Kompetenzen vereint. Der Abschnitt über die Konstruktion von Fallbeispielen ist ähnlich umfangreich, aber verliert keineswegs den Praxisbezug. Durch diese detaillierte Beschreibung sollte es dem Leser gelingen, mit Hilfe des Buches ein adäquates Beispiel für den Unterricht zu erstellen.
Im zweiten Teil des Buches geht es um die Umsetzung in der Pflegeausbildung. Die Autorin hat dazu zwei Themen aus dem Bereich der Hygiene gewählt. Die Unterrichtsplanung, nach herkömmlichem Schema, mit Rahmenbedingungen, Sachanalyse, Lernzielen und konzeptionellen und methodischen Vorüberlegungen ist ebenfalls sehr umfangreich. Allerdings wird dadurch der Blick des Lesers auf die wesentlichen Punkte gelenkt. Schön ist die Beschreibung des tatsächlich gehaltenen Unterrichts mitsamt den aufgetretenen Problemen. Diese werden in der Auswertung bzw. Evaluation noch einmal von allen Seiten beleuchtet, genauso wie die Vorzüge des POL. Es ist nur zu verständlich, dass in der Beispielschule der Umfang des POL zukünftig zunehmen wird.
Konkrete Fragen, die während der Implementierung auftraten, beleuchtet die Autorin im folgenden Kapitel und bietet erfolgsversprechende Lösungsvorschläge, wie z.B. für Dozentenplanung, Literaturauswahl und Zeitorganisation. Ferner bietet sie aber auch leichte Modifizierungen für die Methode POL an, die durch Beispielsituationen aus der Praxis sehr verständlich sind. Auch mögliche Knackpunkte in der Schulorganisation, wie Curriculumplanung, POL im Kontext der Lernfelder und im Rahmen der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung werden besprochen und Lösungsansätze ausgeführt. Mit Hilfe dieser Tipps sollte eine Umsetzung gelingen.
Im dritten Teil schlägt die Autorin acht Unterrichtsthemen in Form von konkreten Fallbeispielen vor. Hinweise zu Vorkenntnissen, Lernzielen, zusätzlichen Methoden, Zeitplanung und Literaturempfehlungen komplettieren die einzelnen Fallbeispiele.
Fazit: Es wird ein umfassender theoretischer Überblick über das POL geboten. Dieser wirkt teils etwas langatmig. Jedoch lassen sich durch den hervorragenden Aufbau und die Gestaltung die Kernaussagen schnell finden, diese sind in Fettdruck oder grau hinterlegt. Sollte trotzdem ein Leser abgeschreckt sein, so ist es doch durch die detaillierte Beschreibung der Implementierung gelungen, den Leser zum eigenen Test der Methode zu motivieren. Der erste Einstieg gelingt durch die angebotenen Unterrichtsbeispiele auf einfachem Wege.
Das Buch ermöglicht es so, jedem in der Lehre Tätigen, egal welchen Wissenstandes, das POL zu verstehen. Ferner bietet es das Handwerkszeug, um direkt mit der Methode zu beginnen. Man kann dem Werk, im Interesse der Lernenden, nur eine weite Verbreitung wünschen.