Durch die ständig steigende Arbeitsverdichtung im Pflegebereich sehen sich viele stationäre Einrichtungen gezwungen, hier über neue Strukturen und Qualifikationen zur Unterstützung bzw. Entlastung der Pflegekräfte nachzudenken. Eine Option stellt die Einstellung von Pflegeassistentinnen und -assistenten dar. In der Schweiz wird diese Gliederung der Arbeitsorganisation und der Einsatz von Pflegeassistenten seit längerem praktiziert, folgerichtig ist das vorliegende Buch 2001 in der Schweiz entstanden und liegt jetzt bereits in der dritten Auflage vor.
Als Zielsetzung wird in der Einleitung unter anderem formuliert, dass die auszubildenden Pflegeassistenten schon während ihres praktischen Einsatzes in die Lage versetzt werden sollen, die geforderten Pflegetätigkeiten so schnell als möglich anwenden zu können. Der Aufbau und die Gliederung nach dem Pflegemodell von Roper sowie nach den ATL trägt diesem Anspruch Rechnung.
Im ersten Abschnitt Grundlagen finden sich kurze Abhandlungen über Pflegemodelle, Pflegeplanung und Pflegedokumentation. Eine der wichtigsten pflegerischen Aufgaben, das Wahrnehmen und Beobachten wird ebenso angesprochen wie Die Schweigepflicht oder ethische Aspekte. Alle Beiträge sind kurz und übersichtlich, aufgelockert durch Diagramme und andere bildliche Darstellungen. Dazu besteht auf jeder Seite dies gilt für das ganze Buch die Möglichkeit, sich individuelle Notizen zu machen. Der oder die NutzerIn soll also mit und in dem Buch arbeiten.
Entsprechend der ATL folgen nach den Grundlagen 12 Kapitel, die sich jeweils mit einer ATL befassen. Der Umfang beträgt jeweils 15 25 Seiten, auf den die grundlegenden Informationen zu dem Thema gegeben werden. Viele Maßnahmen werden in Form von handlungsanweisenden Checklisten dargestellt, so z.B. das Eingeben von Nahrung (S. 123) oder das Messen des Blutdrucks (S. 181). Daneben werden die zugrunde liegenden physiologischen und anatomischen Gegebenheiten erklärt sowie Krankheitsbilder vorgestellt, bei denen die entsprechende ATL besonders beeinträchtigt ist. Kritisch sind allerdings Aussagen zu bewerten wie beim Dekubitus, dessen Ursache als Druckeinwirkung über längere Zeit beschrieben wird. Dies ist sicher grundsätzlich richtig, doch die in Klammern beigefügte Definition des längeren Zeitraums als mehr als zwei Stunden erscheint mir gefährlich verkürzt, wenn in Betracht gezogen wird, dass bei bestimmten Patientengruppen schon eine wesentlich kürzere Druckeinwirkungszeit zum Druckgeschwür führen kann. Hier wäre zumindest ein Hinweis auf die Einbeziehung dreijährig ausgebildeter Pflegende notwendig.
Das letzte Kapitel befasst sich auf rund 60 Seiten mit Anatomie und Physiologie. Hier finden sich grundlegende Information über die Bausteine des Körpers und seine verschiedenen Systeme, zusammengefasst auf jeweils wenigen Seiten.
Fazit: Das Lehrbuch Pflegeassistenz erfüllt in hervorragender Weise den Anspruch, ein praxisnahes Lehr- und Anleitungsbuch für ungelernte Mitarbeiter im Pflegebereich. Ohne den Bedarf an großen Vorkenntnissen, aber auch ohne große Tiefe werden die notwendigen Grundlagen und Zusammenhänge vermittelt, damit die betroffenen Personen ihre (Assistenz-) Arbeit verrichten können. Das Buch ist sehr übersichtlich und grafisch anschaulich gestaltet, sehr hilfreich ist Möglichkeit, sich Notizen machen zu können. Es kann für alle Pflegekräfte empfohlen werden, die mit der Ausbildung und Anleitung von nicht qualifiziertem Personal beauftragt sind, so z.B. auch in der Ausbildung und Betreuung von Praktikanten, Zivildienstleistenden oder anderen gleichartigen Zielgruppen. Bei tiefer gehenden Ansprüchen muss aber ergänzend weitere Fachliteratur hinzugezogen werden.