Prof. Dr. Wilfred Druml bespricht im ersten Artikel die Ergebnisse der neuen EPaNIC-Studie aus Belgien (Casaer MP; NEJM 2011; 365:506). Hier wurde die früh eingeleitete parenterale Ernährung (PE) von Intensivpatienten mit einer spät Eingeleiteten verglichen. Eingeschlossen waren PatientInnen bei denen eine enterale Ernährung nicht erfolgreich möglich war.
Die Studie zeigt Vorteile bei einer spät eingeleiteten PE. Der Autor rät zu einer vorsichtigen Interpretation der Studienergebnisse und sieht sie nicht als das Ende der parenteralen Ernährung.
Prof. Druml zieht folgende Schlussfolgerungen:
"Man sollte sich im Klaren sein, dass es in dieser Diskussion keineswegs nur um die PE geht, sondern auch um den Ernährungsbeginn, die Geschwindigkeit des Ernährungsaufbaus, der Zusammensetzung der Nährlösung, der Definition des Ernährungszieles, also nicht nur darum, ob eine parenterale Zusatzernährung gerechtfertigt ist oder nicht.
Wie bisher sollte die EE, wenn immer möglich, favorisiert werden. Wenn eine quantitativ ausreichende EE nicht toleriert wird oder möglich ist, sollte weiterhin versucht werden, die Toleranz zu verbessern. Am besten erfolgt dies durch die Gabe von Prokinetika schon prophylaktisch vom 1. Tag an, oder in bestimmten Fällen auch durch die Anlage einer jejunalen Doppellumensonde (was heute auch ohne Endoskopie recht einfach vorgenommen werden kann). Wenn eine EE auch dann nicht möglich ist, sollte eine enterale Miniernährung („Zottenernährung“) vorgenommen, aber auch mit einer PE begonnen werden. Nach den neuen Befunden ist ein späterer Beginn (> 72 Stunden) und ein langsamerer Ernährungsaufbau als bislang üblich anzustreben. Das Energieziel sollte moderater gewählt, in jedem Falle eine Überernährung vermieden werden (Arabi YM; Am J Clin Nutr 2011; 93:569).
Bei Patienten mit schwerer Malnutrition oder mit persistierenden Nährstoffverlusten (Nierenersatztherapie, Verbrennung) sollte meines Erachtens mit einer parenteralen Zusatzernährung schon früh, also innerhalb von 48 Stunden, begonnen werden."
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In der Rubrik der Arbeitsgemeinschaft für Intensivpflege berichtet Adelbert Bachlechner unter dem Titel "Back to the roots" wie er nach Jahren in Führungspositionen für einige Zeit als "normaler" Pfleger ans Krankenbett zurückkehrt.