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Hygiene daheim
Hygiene daheim
Von: Franz Sitzmann
Verlag Hans Huber, 2007

Das praxisorientierte Hygienehandbuch führt in die Grundlagen der Hygiene und Infektiologie unter häuslichen Verhältnissen und stationären Heim-Bedingungen ein. Es beschreibt Mikroben und typische Erkrankungen anhand infektiologischer Fallbeschreibungen und zeigt, wie sich Keime durch Reinigen, Desinfizieren und Sterilisieren reduzieren lassen.

Detailliert beschreibt der erfahrene Autor Möglichkeiten mitarbeiterbezogener Hygiene und des Mitarbeiterschutzes sowie pflegebezogene Standardhygienemaßnahmen. Er formuliert umgebungsbezogene Hygieneanforderungen und zeigt, wie man hygienisch im Haushalt einer Familie arbeiten kann. Beispielhaft beziehen sich diese Inhalte auch auf eine Intensivpflege im eigenen Lebensumfeld.

Instruktiv leitet er zum Umgang mit Personen an, die an einer übertragbaren Krankheit leiden und erläutert verständlich rechtliche Aspekte der Hygiene. Den Abschluss bildet ein ausführlicher Anhang mit Reinigungs- und Desinfektionsplänen sowie Dosiertabellen und einem begriffsklärenden Glossar.

Aus dem Inhalt
- Einführung in die Hygiene
- Mikroorganismen und typische Erkrankungen anhand infektiologischer Fallbeschreibungen
- Infektiologie
- Grundlagen der Hygiene zur Keimreduktion
- Mitarbeiterbezogene Hygiene und Mitarbeiterschutz
- Pflegebezogene Standardhygiene
- Umgebungsbezogene Hygieneanforderungen
- Hygienisch Arbeiten im Haushalt der Familie
- Umgang mit Personen, die an einer übertragbaren Krankheit leiden
- Alles, was Recht ist im Bereich der Hygiene
- Anhang


Kapitelübersicht
Inhaltsverzeichnis 
Vorwort 
1 Einführung in die Hygiene 
2 Mikroorganismen und typische Erkrankungen anhand infektiologischer Fallbeschreibungen 
3 Infektiologie 
4 Grundlagen der Hygiene zur Keimreduktion 
5 Mitarbeiterbezogene Hygiene und Mitarbeiterschutz 
6 Pflegebezogene Standardhygiene 
7 Umgebungsbezogene Hygieneanforderungen 
8 Hygienisch Arbeiten im Haushalt der Familie 
9 Umgang mit Personen, die an einer übertragbaren Krankheit leiden 
10 Alles was Recht ist im Bereich der Hygiene 
11Anhang 
Über den Autor 
Sachwortverzeichnis 

Leseprobe

3 Infektiologie (S. 49)

3.1 Eindringen, Absondern und Übertragen von Infektions keimen
Während seiner Evolution, und sie setzt sich weiter fort, ist der Mensch ständig mikrobiellen Infekten ausgesetzt. Dabei kommt es über verschiedene Wege zum Absondern von Mikroorganismen. Aber auch an gesunden Tagen gibt der Mensch Mikroorganismen ab, nimmt sie in seinen Körper auf und lebt mit ihnen. Mit diesen Themen befasst sich der folgende Text.

Einleitung
Über verschiedene Körperfunktionen und Organsysteme des Menschen geschieht der Austausch von Mikroorganismen mit seiner Umwelt. In Kontakt kommen die Mikroorganismen mit dem Menschen über:

die Haut
die Atemwege
den Verdauungstrakt
den Urogenitaltrakt

Eintrittspforte Haut. Mikroorganismen, die nicht zur normalen Hautflora gehören, werden norma lerweise schnell unschädlich gemacht. Dabei spielen eine wesentliche Rolle die Fettsäuren, die der Haut einen pH zwischen 4 und 5 ver- leihen, sowie Sub stanzen aus den Talg- und anderen Drüsen und Stoffwechselprodukte der nor - malen Bak terienflora. So schützt ein Haut-Protein namens Psoriasin vor Infektionen mit Kolibakterien (Anonym, 2004).

Zu häufiges Waschen mit alkalischen Seifen zerstört diesen Schutz. Verschiedene Arten von Pilzen (Dermatophyten) infizieren die Keratinstrukturen der Haut (oberste Hautschicht, Haare, Nägel). Die Pilze wachsen darin nach unten in das Keratin und es kommt zu einer Infektion. Üblicherweise erfolgt eine Infektion aber an Wunden, Abschürfungen oder Verbrennungen.

Selbst minimale Verletzungen der Hautober fläche können virulenten (mit hoher krankmachender Kraft) Mikroorganismen eine Eintrittspforte bieten. Beißende und stechende Insekten wie z. B. die weibliche Anopheles-Mücke (Überträger der Malaria tropica), Zecken und Flöhe durchdringen die Haut des Menschen zu Er nährungszwecken und können somit infektiöse Mikroorganismen oder Pa rasiten in den Körper einschleusen.

Die Bindehaut wird durch permanentes Spülen mit Tränenflüssigkeit und die scheibenwischerähnlichen Bewegungen des Augenlides sauber gehalten. Daher müssen die Mikroorganismen, welche die normale Bindehaut infizie ren (Chlamydien und Gonokokken) sehr wirkungsvolle Anheftungsmechanismen be sitzen.

Wenn aber diese lokale Abwehrmechanismen gestört sind, etwa durch verminderte Sekretion der Tränendrüse oder Beschädigung der Bindehaut oder des Lides, dann können selbst übliche Hautkeime die Bindehaut besiedeln.

Eintrittspforte Atemwege. Luft enthält viele Schwebepartikel wie Ruß, Staub und Mikroorganismen. In nerhalb von Gebäuden findet man etwa 500 bis 1000 Mikroorganismen pro m3 Luft. Im Ruhezustand atmet der Mensch 6 l Luft pro min ein und inhaliert somit bis zu 10 000 Keime/d in seine Lungen. Die bakterienhaltigen Schleimmassen der Atemwege werden durch gerichtete Bewegung der Zilien in den Nasenrachenraum (Oropharynx) befördert, abgehustet oder verschluckt.

Das einfachste Mittel, diesem Schicksal zu entgehen, ist es, sich fest an die Ober fläche der Zellen der mukoziliären Schicht (Schleim der Flimmerhärchen) anzuheften. Eine andere Möglichkeit, wie die physiologische Reinigung gestört werden kann, ist die Hemmung der Zilienbewegung (Tab. 3-1-1). Das Pathogen des Keuchhustens, Bordetella pertussis, heftet sich nicht nur an die Zellen des respiratorischen Epithels an, sondern lähmt auch die Aktivität der Flimmerbewegung. Die Zilienfunktion stören auch Virusinfektionen und die Inhalation toxischer Gase, z. B. Zigarettenrauch.

Mikroorganismen, welche die Lungenbläschen erreichen, stoßen auf die Alveolarmakrophagen, deren Aufgabe es ist, Fremdpartikel zu beseitigen.

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