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Pflegerische Verantwortung und ihre Zusammenhänge mit der Pflegekultur und dem beruflichen Selbstkonzept
Zur Notwendigkeit der Forschung zum Erleben von pflegerischer Verantwortung:
Die Pflege befindet sich in einer großen Umbruchs- und Veränderungsphase. Viele Kliniken führen neue Pflegekonzepte, Pflegemodelle oder Arbeitssysteme ein. Unabhängig davon, welches Konzept, Modell oder System verwendet wird, sind die Verantwortungsstrukturen der Pflegenden ausschlaggebend für den Erfolg dieser Veränderungsprozesse.
Die Robert Bosch Stiftung erklärt die Verantwortung zu  einem der sieben Schlüsselbegriffe der Pflegewissenschaft (1996: 10). Obwohl der Verantwortung eine hohe Pflegerelevanz zugesprochen wird, ist dieses Phänomen bisher nicht empirisch erforscht worden (Chavasse, 1994).
Der Umgang mit pflegerischer Verantwortung kann, ähnlich wie der Umgang mit Stress (Lazarus, 1981) als Herausforderung oder Bedrohung erlebt werden, wobei nicht der Auslöser sondern die kognitive Einschätzung bedeutsam für das jeweilige Handeln sind. Oft wird Verantwortung in der Pflege negativ assoziiert, im Sinne der Erwartung einer Bestrafung für eine Handlung. Eine positive Assoziation von Verantwortung ist die Voraussetzung, um dieser angstfrei und konstruktiv begegnen zu können. Demnach ist es wichtig, mehr über die Einschätzung von Verantwortungssituationen der Pflegenden zu erfahren.
Wenn Verantwortung in der Pflege thematisiert wird geschieht dieses häufig unter ethischen oder juristischen Gesichtspunkten. Damit werden Soll-Normen (ethisch) oder Muss-Normen (jursitisch) aufgezeigt, d.h. Regeln, die das Pflegeverhalten festlegen. Die Frage, wie Pflegende ihre Verantwortung eigentlich erleben, wurde bisher nicht empirisch untersucht.
Der politische und ökonomische Wandel im Gesundheitswesen (Stichwort Gesundheitsreform) wirkt sich auch auf die Pflege (Stichworte: Personalkürzungen, Qualitätsmanagement) und damit auch auf die Verantwortungsstrukturen in der Pflege aus. Wenn beschrieben werden kann, wie Pflegende ihre Verantwortung erleben, lassen sich daraus Indikatoren ableiten, auf die eingewirkt werden kann, um den Umgang mit Verantwortung zu verändern. Was ist pflegerische Verantwortung?
Pflegerische Verantwortung wird definiert als die selbst übernommene oder zugeschriebene Zuständigkeit von Pflegenden für ihr pflegerisches Tun, inklusive der Rechenschaftspflicht für die Konsequenzen ihrer pflegerischen Entscheidungen und Handlungen. Fünf Bedingungen sind notwendig, um pflegerische Verantwortung übernehmen zu können:
1. Autonomie und die Freiheit Entscheidungen zu treffen,
2. Autorität, die rechtmäßige Macht eine Aufgabe zu erfüllen,
3. berufliches Fachwissen,
4. interpersonale Kompetenz: die Fähigkeit berufliche Beziehungen zu etablieren und
5. Kontrollbewusstsein: das Bewusstsein über die selbstbestimmte Kontrolle eigenen Verhaltens. Pflegerische Verantwortung teilt sich in kollektive und individuelle Verantwortung (van Arendt, Gastmans, 1996). Die kollektive Verantwortung bedeutet, dass die Mitglieder eines Pflegeteams die gemeinsame Verantwortung für die Förderung und das Wohlbefinden der zu betreuenden Patienten haben. Tabuisierungen können zu einer kollektiven Verantwortungsabwehr im Team führen (Weidmann, 1996).
Die individuelle Verantwortung schließt berufliche und persönliche Verantwortung ein. Berufliche Verantwortung bedeutet, dass die einzelne Pflegende sich an die geltenden Abmachungen, sprich die "Regeln der Kunst" einzuhalten hat und diese Einhaltung nachzuweisen, bzw. deren Nichteinhaltung zu erklären hat. Persönliche Verantwortung beschreibt die individuelle Art und Weise, wie eine Pflegende Entscheidungen und Entfaltungsmöglichkeiten wahrnimmt und drückt sich z.B. im Charakter und in der Lebenshaltung aus. Vorbereitung der empirischen Untersuchung:
Um die kollektive und die individuelle Verantwortung ermitteln zu können, wurden zwei Konzepte untersucht, aus denen sich pflegerische Verantwortung ableiten läßt. Aus der Pflegekultur werden kollektive Aspekte der Verantwortung abgeleitet und aus dem beruflichen Selbskonzept individuelle Aspekte der Verantwortung.
Pflegekultur wird definiert als ein Muster von gemeinsamen Werten und Annahmen, die ein Pflegeteam im Laufe ihrer Zusammenarbeit gemeinsam entwickelt, um Probleme zu lösen, die typischerweise in ihrer Arbeit auftauchen.
Das berufliche Selbstkonzept wird definiert als das Bild der Pflegenden von sich selbst im Beruf und schließt bewußte und unbewußte Gedanken, Gefühle, Überzeugungen, Erwartungen, Wert- und Wunschvorstellungen mit ein.. Forschungsfragen:
Wie erleben Pflegende ihre pflegerische Verantwortung im Berufsalltag?
Welche Aspekte fördern oder hemmen den Umgang mit pflegerischer Verantwortung? Erhebungsmethoden:
1.themenzentrierte Gruppendiskussion (Leithäuser und Volmerg, 1988)  (mit allen 4 Pflegeteams, jeweils 1,5 h),
2.NUCAT (Coeling) (n = 32),
3.problemzentriertes Interview (Witzel, 1982) (n = 32),
4.teilnehmende Beobachtung (jeweils 14 Tage mit allen 4 Pflegeteams). Analysemethoden:
1. Auswertungsverfahren zur themenzentrierten Gruppendiskussion (Leithäuser/Volmerg, 1988),
2. Auswertung des NUCAT im Sinne eines Polaritätenprofils (Coeling, 1992),
3. Auswertungsmethode des problemzentrierten Interviews (Witzel, 1982),
4. Qualitative Inhaltsanalyse (Mayring, 1988) für die teilnehmende Beobachtung,
5. Kontrollbewusstsein (Hohner, 1985) bei der Gruppendiskussion und den Einzelinterviews. Die Bedeutung der Forschungsergebnisse für die Pflegepädagogik und für das Pflegemanagement:
Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Studie für die Pflegepädagogik liegt in der Erlernbarkeit von Verantwortung. Wenn sich die pflegerische Verantwortung im beruflichen Alltag ändern soll, muss der konstruktive Umgang mit Verantwortung bereits in der Erstausbildung erfahren werden. Hierzu empfiehlt es sich, Verantwortung als Unterrichtsfach einzuführen. Neben dem Erwerb von Kenntnissen über Führungs- und Teamfähigkeit sollten insbesondere kommunikative und interpersonale Kompetenzen trainiert werden. Dazu gehört das persönliche Reflektieren beruflichen Handelns (intrapersonal) und die Auseinandersetzung mit gruppendynamischen Prozessen (interpersonal). PflegepädagogInnen müssen sich dabei ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und ihren eigenen Umgang mit Verantwortung reflektieren. Auch in der innerbetrieblichen Fortbildung muss die pflegerische Verantwortung stärker zum Thema gemacht werden.
Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie für das Pflegemanagement ist der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen Verantwortungsmustern im Team und deren Fluktuations- und Krankheitsrate. Es zeigte sich, dass ein konstruktiver Umgang mit Verantwortung die Fluktuations- und Krankheitsrate senkt, während verschiedene Formen der Abwehr von Verantwortung die Fluktuations- und Krankheitsrate steigen lässt. Mit dem Etablieren von konstruktiven Verantwortungsstrukturen in den Pflegeteams können demnach auf Dauer Kosten gespart werden.
Die Stationsleitung hat den größten Einfluß auf den Umgang mit Verantwortung in ihrem Team. Dieser Aspekt muss zukünftig stärker berücksichtigt werden. Einen positiven Umgang mit Verantwortung findet sich in den Pflegeteams nur dann, wenn sie ihre Leitung nicht nur als fachliches, sondern auch als Vorbild in interpersonalen Angelegenheiten erleben.
Art: Dissertation
Erstellungszeitraum: 31.10.2001 bis 20.09.2009
Seitenanzahl: 320
Autor/en
Tewes, Renate
Hochschule
Universität Bremen
Projektleiter
van Maanen, Hanneke; Prof.
Sprache
Deutsch
Schlüsselwörter
BEOBACHTUNG, TEILNEHMENDE, GRUPPENDISKUSSION, INTERVIEW, SELBSTKONZEPT, BERUFLICHES, VERANTWORTUNG, STUDIE
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