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Klassifikationssysteme in der Pflege
Inhalt und Hintergrund: Die Einführung und Umsetzung pflegerischer Klassifikationssysteme verzeichnet eine steigende Aufmerksamkeit. Aus berufspolitischer Sicht strebt die Pflege eine Professionalisierung an, die unter anderem mit der Definition des pflegerischen Gegenstandsbereiches und der Entwicklung einer einheitlichen Pflegefachsprache verbunden ist. Pflegende müssen der Verpflichtung nachkommen, ihr Handeln zu dokumentieren und eine geplante, zielgerichtete und begründete Pflege zu gewährleisten. Klassifikationssysteme in der Pflege haben Deutschland mit einer deutlichen zeitlichen Verzögerung erreicht. Der aktuelle Trend in der Umsetzung solcher Systemedient häufig in erster Linie zur Personalermittlung.
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen einer Diplomarbeit unter Verwendung von Daten aus dem Projekt Euro - Charité (gefördert vom Bundenministerium für Bildung und Forschung für den Zeitraum Juli 2000-Juni 2002). Die wissenschaftliche Betreuung erfolgte in der Zusammenarbeit mit dem BIBA -Bremer Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaften der Universität Bremen und dem iap - Institut für angewandte Pflegeforschung.
Methode:  Die Arbeit basiert auf einer theoretischen literaturgestützten Auseinandersetzung mit Klassifikationssystemen in der Pflege und deren Bedeutung für die Pflege. Zur Untermauerung der Fragestellung wurden Daten aus einer Multimomentaufnahme des Projektes verwandt.
Fragestellung: Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern Klassifikationssysteme geeignet sind, das Wissen der Pflegepraxis adäquat abzubilden und  welches Wissen der pflegerischen Praxis sie abbilden. Ziel der Arbeit war es einerseits Formen und Wissen in der Pflege darzustellen und anderseits eine Übersicht über gängige Klassifikationssysteme in der Pflege zu geben und diese in Relation zur Umsetzung pflegerischen Wissens zu stellen. In der Literaturanalyse wurden überwiegend folgende Klassifikationssysteme in der Pflege untersucht, die im deutschsprachigen Raum angewandt werden u.a.: Pflegediagnosen -NANDA und ICNP, Pflegeinterventionen NIC, Pflegeergebnisse NOC, Handlungsbezogene Messverfahren (z.B. LEP) und Zustandsbezogene Messverfahren (z.B. RAI).
Ergebnisse:
Diagnostik und Klassifikation in der Pflege sind wichtige aber auch schwierige Felder. Pflege ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein von explizitem Wissen und implizitem Wissen der Pflegenden im Kontext der Situationsgebundenheit. Die seit einigen Jahren propagierten Klassifikationssysteme werden dieser Komplexität pflegerischer Wirklichkeit und pflegerischen Handelns nicht hinreichend gerecht. Klassifikationssysteme in der Pflege sind bislang daher nicht in der Lage, das vieldimensionales Geflecht von Zuständen, Befindlichkeiten und beeinflussende Faktoren abzubilden. Bestehende Klassifikationssysteme bieten keine ausreichende Flexibilität im Umgang mit der Individualität der Patientinnen. Nicht formalisierbare Anteile pflegerischen  Handelns wie z.B. Beziehungsfähigkeit, Gefühlsarbeit, Intuition kommen in den Klassifikationssystemen zu kurz. Aufgrund dieser Problematik muss die zentrale Fragestellung in der vorliegenden Diplomarbeit: Inwiefern sind Klassifikationssysteme geeignet, das Wissen der Pflegepraxis adäquat abzubilden? mit nein beantworten beantwortet werden. Die untersuchten Klassifikationssysteme in der Pflege können das Wissen der Pflegepraxis bislang nur unzureichend darstellen. Der Bezugrahmen der Pflege ist Theorie- und Praxiswissen. Das Wissen in der Praxis ist gekennzeichnet durch implizites Wissen inform reichhaltigen Erfahrungswissen. Pflegende besitzen ein großes Erfahrungswissen. Dieses Erfahrungswissen resulitiert aus Informationen, Beobachtungen und Beispielen und ermöglicht den Pflegenden durch implizite Schlußfolgerungen Handlungsmöglichkeiten, ohne sich dessen bewußt zu sein. Den Experten fällt es schwer, ihr Handeln zu begründen und zu erklären. Benner (1994) geht davon aus, dass das Expertum in der Pflege durch Fallverstehen gekennzeichnet ist. Dieses Erfahrungswissen läßt sich aber kaum mitteilen, weder zwischen der eigenen Berufsgruppe noch hinsichtlich dem zu Pflegenden. So gesehen wäre es sinnvoll, Klassifikationssysteme als Instrument zur Strukturierung und Kommunikation zu nutzen. Den untersuchten Klassifikationssysteme in der Pflege gelingt es aber nur unzureichend, dieses implizite Wissen zu explizieren. Gründe sind vor allem in der Struktur der Klassifikationssysteme in der Pflege zu finden. Durch die Klassifikationssysteme erfolgt eine starke analytische Zergliederung der beobachteten Phänomene. Diese Zergliederung folgt einer "wenn - dann - Logik" (Friesacher 1999). Die Klassifikationssysteme in der Pflege arbeiten als Problemlösung nach einer logisch deduktiven Methode. Diese Herangehensweise widerspricht der Realität einer praktischen Wissenschaft. Bei dieser Vorgehensweise, kommt das implizite Wissen / das Erfahrungswissen, welches den Experten auszeichnet, nicht zum Tragen. Grundsätzlich besteht ein Problem, wenn standardisierte Instrumente in komplexen Situationen angewendet werden. Das implizite Wissen / das Erfahrungswissen entzieht sich strengen Rationalitätskkriterien (Schöniger 1998, n. Friesacher 1999:56). Dieses Problem ist mit standardisierten Instrumenten nicht zu lösen. Ein anderes Problem in der Anwendung der Klassifikationssysteme in der Pflege ist das Fehlen des intuitiven Situations- und Fallverstehens. Das Erfahrungswissen der Pflegenden ist immer eng mit dem zu Pflegenden verknüpft. Professionelles Pflegen ist nur möglich, wenn der Bezug zu der Lebenswelt, den konkreten Biographien und den Lebenskontexten der zu Pflegenden hergestellt wird. Eine Klassifizierung mittels Pflegediagnosen zergliedert die Phänomene. Es werden nur einzelne Pflegediagnosen dargestellt. Den Pflegenden wird damit keine interpretative Gesamtschau des zu Pflegenden ermöglicht.  Bei der Anwendung von Pflegediagnosen verschwindet das Individuum hinter einer Summe von therapierbaren Diagnosen. Pflegediagnosen schaffen einen Tunnelblick und dienen häufig einer reinen Informationssammlung. Das situationsbezogene Wahrnehmen wird zugunsten einer diagnosebezogenen Wahrnehmung geringer. Der zu Pflegende wird nicht in seiner Ganzheitlichkeit wahrgenommen. Diese Problematik ist  den Pflegediagnosen immanent. Steppe (1995) weist darauf hin, dass Pflegediagnosen immer nur einen kleinen Ausschnitt einer komplexen Pflegesituation wiedergeben und nichts über das Beziehungsgepflecht aussagen. Sie können nicht die personelle und hermeneutische Kompetenz der Pflegenden ersetzen (Steppe 1999, n. Friesacher 1999:34). Bei der Anwendung von Pflegediagnosen, muss dies berücksichtigt werden, damit nicht die Gefahr eine Deprofessinalisierung besteht. Friesacher (1999) weist in diesem Zusammenhang auf die Anwendung eines pflegetheoretischen Theoriekonzeptes hin, um eine interpretative Gesamtschau eines Patienten  zu ermöglichen. Ein weiteres Problem ist schließlich die unkritische Übernahme von Klassifikationssystemen aus anderen pflegerischen Kulturkreisen. Die Übertragung eines Klassifikationssystems aus einem anderen Kulturkreis muss daher vor der Implementierung kritisch hinterfragt werden (Kean 1999). Friesacher (1999) weist auf weitere Alternativen hin. Er setzt auf verstehende, phänomenologisch-biographische Diagnostik. Diesen Ansätzen ist gemein, dass eine große Bedeutung dem lebensweltlichen Kontexten, der Biographie und der subjektiven Bedeutung beigemessen wird. Sie lehnen ein mechanistisch - determinisches Weltbild ab und setzen auf eine phänomenologisch-hermeneutische und interaktionische Sichtweise. Zusammenfassend läßt sich sagen, dass Klassifikationenssysteme der Pflege kein geeignetes Instrument darstellen, um die Mehrdimensionalität der Pflege adäquat abzubilden. Es bedarf jedoch m.E. nicht gänzlich neuer Klassifikationssysteme in der Pflege. Die bestehenden Klassifikationenssysteme  müssen kritisch hinterfragt  und gegebenenfalls modifiziert werden. Desweiteren müssen andere Instrumente oder Möglichkeiten mit einbezogen werden, um die nicht formalisierbaren Anteile der Pflege angemessen abbilden zu können.
Art: Diplomarbeit
Erstellungszeitraum: 15.10.2001 bis 20.09.2009
Seitenanzahl: 130
Autor/en
Wicha, Ilka
Hochschule
Universität Bremen
Projektleiter
Görres, Stefan Remmers, Hartmut
Sprache
Deutsch
Schlüsselwörter
KLASSIFIKATIONSSYSTEME, PFLEGEDIAGNOSEN, WISSEN
Literatur: Etzel, Birgit S. (Hg.) (2000): Pflegediagnosen und die Internationale Klassifikation Pflegerischer Praxis (ICNP Beta-Version). Stuttgart.
Friesacher, Heiner (1998): Pflegediagnosen und International Classification for Nursing Practic (ICNP). Eine Analyse von Klassifikationssystemen in der Pflege. Mabuse 112; März/April; S.33-37.
Friesacher, Heiner (1999): Verstehende, phänomenologische - biographische Diagnostik. Eine Alternative zu "traditionellen" Klassifikations- und Diagnosesystemen in der Pflege. Mabuse 120; Juli/August; S.54-60.
Gordon, Marjory (1994): Pflegediagnosen. Berlin; Wiesbaden.
Höhmann, Ulrike (Hg.) (1995): Pflegediagnosen - Irrweg oder effektives Instrument professioneller Pflegepraxi?. Eschborn.
Katholischer Krankenhausverband Deutschland e.V. (Hg.) (2001): Pflegequalität und Pflegeleistung I. Freiburg/Köln.
Kollak, Ingrid, Georg, Margret (Hg.) (2000): Pflegediagnosen: Was leisten sie - was leisten sie nicht?. Frankfurt am Main.
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