An der Universität Düsseldorf findet ein außergewöhnliches Pilotprojekt der Deutschen Rheuma-Liga statt. Rheumapatienten, die eine spezielle Schulung durchlaufen haben, engagieren sich in der Ausbildung von angehenden Medizinern. Die Studenten lernen von den Patienten im direkten Kontakt und vertiefen die Lerninhalte zur Anamnese. Die Patienten berichten über sich selbst und ihre Krankheitsgeschichte, stehen für das Einüben eines Anamnesegesprächs im Rollenspiel zur Verfügung und lassen ihre an Rheuma erkrankten Hände abtasten, so dass die Studenten ein Gespür für diese wichtige Methode der Erstdiagnostik entwickeln. Das "Patient Partners"-Projekt läuft bislang einmalig für Deutschland seit zwei Jahren im Trainingszentrum für ärztliche Fähigkeiten der Universität Düsseldorf. Zukünftig sollen Patienten auch in anderen Universitäten im Bereich Rheumatologie eingesetzt werden. In Düsseldorf geht die Ausbildung im Wintersemester 2010 weiter.
"Es ist wichtig", sagt Dr. Rebecca Fischer-Betz, Oberärztin an der Universitätsklinik und ärztliche Leiterin des Programms, "dass möglichst früh ein enger Kontakt zum Patienten hergestellt wird. Die speziell für ihren Einsatz geschulten Referentinnen des Programms sind hierfür ideal. Durch die direkte Begegnung erfahren die Studenten die Krankheit aus deren Perspektive." Da immer zwei Patient Partners die Schulung übernehmen, lernen die Studenten auch verschiedene Krankheitsverläufe kennen.
Langfristig will die Deutsche Rheuma-Liga mit dem "Patient Partners"-Projekt die Früherkennung verbessern. Bettina Teutenberg, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rheuma-Liga Nordrhein-Westfalen e.V.: "Je früher eine rheumatische Erkrankung diagnostiziert wird, umso besser sind die Chancen, der Versteifung der Gelenke durch die richtige Therapie entgegenzuwirken. In der Regel sind die niedergelassenen Ärzte die ersten Ansprechpartner für Patienten mit Gelenkbeschwerden. Daher ist es wichtig, sie für die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis und die Überweisung der Patienten zum Rheumatologen zu sensibilisieren."
Begonnen hat das Projekt mit dem Einsatz von Patienten in Ärzteschulungen, also der Qualifizierung und Sensibilisierung von bereits ausgebildeten, meist niedergelassenen Ärzten. Seit 2007 bildet die Deutsche Rheuma-Liga hierzu bundesweit rheumakranke Mitglieder aus, die besonders motiviert und selbstbewusst genug sind, um ihre Erfahrungen und ihr Wissen in Ärzteschulungen einzubringen. Ein spezielles Trainingsprogramm wurde dafür entwickelt. Inzwischen sind 60 Patient/innen mit rheumatoider Arthritis und 15 Morbus Bechterew Betroffene ausgebildet. 50 Ärztefortbildungen haben bislang stattgefunden. Das Projekt wird von der Firma Pfizer unterstützt.