Pflegeberuf & Bildung

Männliche Pflegende — Berufsbild, Herausforderungen und Chancen für Männer in der Pflege

Männer in der Pflege — Noch immer eine Minderheit

In der DACH-Region liegt der Anteil männlicher Pflegefachpersonen bei etwa 15–20 Prozent. Obwohl der Beruf historisch nicht immer weiblich dominiert war — im Mittelalter waren es vor allem Mönche und Ordensbrüder, die Kranke versorgten — hat sich seit dem 19. Jahrhundert ein stark feminisiertes Berufsbild etabliert. Doch die Pflegebranche braucht mehr Männer, und die Anstrengungen zur Rekrutierung nehmen zu.

Historischer Kontext

Bis zur Professionalisierung der Pflege durch Florence Nightingale (1860) war die Krankenpflege keineswegs ein «Frauenberuf». Männliche Pflegeorden wie die Johanniter, die Alexianerbrüder und die Barmherzigen Brüder prägten die Krankenpflege über Jahrhunderte. Erst mit der Neuordnung der Pflege als weibliche Dienstleistung im viktorianischen Zeitalter wurde der Beruf zunehmend weiblich konnotiert.

In der Psychiatrie blieb der Männeranteil hingegen traditionell hoch — sogenannte «Wärter» waren in psychiatrischen Einrichtungen lange die Norm. Dies zeigt, dass die geschlechtsspezifische Segregation in der Pflege historisch konstruiert und veränderbar ist.

Aktuelle Situation im DACH-Raum

Schweiz

Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) lag der Männeranteil in der Pflege 2022 bei etwa 16 Prozent. In der Intensivpflege und der Anästhesiepflege ist der Anteil mit rund 30 Prozent deutlich höher. Die Kampagne «Männer in die Pflege» des SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) versucht aktiv, mehr Männer für den Beruf zu gewinnen.

Deutschland

In Deutschland sind etwa 18 Prozent der Pflegefachpersonen männlich. Die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung (2020) und die Pflegeberufereform haben zu einem leichten Anstieg geführt. Besonders in der Altenpflege bleibt der Männeranteil mit unter 15 Prozent niedrig.

Österreich

Österreich verzeichnet einen Männeranteil von etwa 14 Prozent im Pflegebereich. Die GuKG-Novelle (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz) und die Akademisierung der Pflege haben das Berufsimage aufgewertet, was tendenziell mehr Männer anspricht.

Herausforderungen für männliche Pflegende

  • Stereotypen und Vorurteile: «Pflege ist Frauensache» — dieses Stereotyp wirkt auf beiden Seiten: Männer wählen den Beruf seltener, und wenn sie es tun, werden sie mit Rollenerwartungen konfrontiert
  • Körperliche Nähe und Intimität: Männliche Pflegende berichten von Situationen, in denen Patientinnen oder deren Angehörige die Pflege durch einen Mann ablehnen — insbesondere bei intimer Körperpflege
  • Glass Escalator Effect: Forschung zeigt, dass Männer in der Pflege schneller in Führungspositionen aufsteigen — ein Phänomen, das als «gläserne Rolltreppe» bezeichnet wird. Dies kann Spannungen im Team erzeugen
  • Gehaltsstrukturen: Trotz des Fachkräftemangels ist die Pflege unterdurchschnittlich vergütet — ein Faktor, der besonders für Männer als Hauptverdiener abschreckend wirkt

Strategien zur Rekrutierung

Erfolgreiche Initiativen setzen auf verschiedenen Ebenen an:

  • Gezielte Berufsinformation in Schulen — Pflege als vielseitigen, anspruchsvollen Beruf präsentieren
  • Männliche Rollenmodelle und Mentoring-Programme
  • Spezialisierungsmöglichkeiten betonen: Intensivpflege, Notfallpflege, Anästhesie, Psychiatrie
  • Aufwertung des Berufs durch Akademisierung und bessere Vergütung
  • Männerfreundliche Arbeitsmodelle und Teilzeitmöglichkeiten

Bedeutung für die Pflegequalität

Diverse Teams verbessern die Pflegequalität. Männliche Pflegende bringen andere Perspektiven ein, können für männliche Patienten wichtige Bezugspersonen sein und erweitern das Kompetenzspektrum von Pflegeteams. Die Überwindung der geschlechtsspezifischen Segregation ist nicht nur eine Frage der Gleichstellung, sondern ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Pflege.