Altenpflege & Gerontologie Demenz

Demenz-Assessment — MMST, MoCA und pflegerische Screening-Instrumente zur kognitiven Einschätzung

Demenz erkennen und einschätzen — Assessment-Instrumente im Überblick

Die frühzeitige Erkennung und systematische Einschätzung kognitiver Beeinträchtigungen ist entscheidend für die Behandlungsplanung, die Pflegeplanung und die Kommunikation mit Betroffenen und Angehörigen. Pflegefachpersonen spielen dabei eine Schlüsselrolle — sie sind häufig die Ersten, die kognitive Veränderungen bemerken, und setzen Screening- und Assessment-Instrumente im klinischen Alltag ein.

Mini-Mental-Status-Test (MMST/MMSE)

Der von Folstein et al. (1975) entwickelte Mini-Mental State Examination ist das weltweit bekannteste kognitive Screening-Instrument. Er prüft in 11 Aufgaben verschiedene kognitive Domänen:

  • Orientierung (10 Punkte): Zeitliche und örtliche Orientierung
  • Merkfähigkeit (3 Punkte): Nachsprechen von drei Wörtern
  • Aufmerksamkeit und Rechnen (5 Punkte): Rückwärtsrechnen oder Rückwärtsbuchstabieren
  • Erinnerungsfähigkeit (3 Punkte): Abruf der drei Wörter
  • Sprache und Praxis (9 Punkte): Benennen, Nachsprechen, Lesen, Schreiben, Zeichnen

Gesamtscore: 0–30 Punkte. Schweregrad-Einteilung: 27–30 normal, 20–26 leichte kognitive Beeinträchtigung, 10–19 mittelschwere Demenz, unter 10 schwere Demenz.

Limitationen: Der MMST hat einen Deckeneffekt bei leichten Beeinträchtigungen, ist bildungsabhängig und wenig sensitiv für frontotemporale Demenzen. Der Copyright-Schutz seit 2001 hat seine Anwendung eingeschränkt.

Montreal Cognitive Assessment (MoCA)

Das MoCA (Nasreddine et al., 2005) wurde als sensitivere Alternative zum MMST entwickelt, insbesondere für leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI). Es prüft zusätzlich exekutive Funktionen, Abstraktion und verzögertes Erinnern. Maximalscore: 30 Punkte, Schwellenwert: unter 26 auffällig. Das MoCA ist frei verfügbar und in über 60 Sprachen validiert.

Uhrentest (Clock Drawing Test)

Ein einfaches und schnelles Screening: Der Patient wird gebeten, ein Zifferblatt mit allen Zahlen und einer bestimmten Uhrzeit zu zeichnen. Der Test erfasst visuell-räumliche Fähigkeiten, Planung, abstraktes Denken und motorische Ausführung. Verschiedene Scoring-Systeme existieren (Shulman, Sunderland, Watson). Der Uhrentest eignet sich besonders als Ergänzung zum MMST.

DemTect

Der im deutschsprachigen Raum entwickelte DemTect (Kalbe et al., 2004) ist ein sensitives Screening speziell für leichte kognitive Beeinträchtigungen. Er umfasst fünf Untertests: Wortliste lernen, Zahlentransformation, Supermarkt-Aufgabe (semantische Wortflüssigkeit), Zahlennachsprechen rückwärts und Wortliste verzögerter Abruf. Die alterskorrigierte Auswertung unterscheidet zwischen altersgemässer Leistung, MCI und Demenzverdacht.

Nursing-spezifische Assessments

NOSGER (Nurses‘ Observation Scale for Geriatric Patients)

Ein Fremdbeurteilungsinstrument speziell für Pflegefachpersonen. Die NOSGER erfasst anhand von 30 Items das Verhalten in sechs Dimensionen: Gedächtnis, IADL, Körperpflege, Stimmung, soziales Verhalten und störendes Verhalten. Sie basiert auf pflegerischer Beobachtung über zwei Wochen und eignet sich besonders für das Monitoring im stationären Setting.

Cohen-Mansfield Agitation Inventory (CMAI)

Erfasst agitiertes Verhalten bei Demenz in 29 Items, kategorisiert in physisch aggressiv, physisch nicht-aggressiv, verbal aggressiv und verbal nicht-aggressiv. Das CMAI ist unerlässlich für die Planung nicht-pharmakologischer Interventionen bei herausforderndem Verhalten.

Pflegerische Verantwortung im Assessment-Prozess

Pflegefachpersonen sollten bei jedem Assessment folgende Grundsätze beachten: ruhige, vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, Tageszeit und körperliche Verfassung berücksichtigen, die Würde des Betroffenen jederzeit wahren, Ergebnisse nicht als endgültige Diagnose kommunizieren (Diagnostik ist ärztliche Aufgabe), Verlaufsbeobachtung dokumentieren und Angehörige sensibel einbeziehen.